„Kita Lebensort des Glaubens“ – ein Projekt des Bistums Münster

Durch ihre katholischen Kitas ist die katholische Kirche im Bistum Münster flächendeckend in den Sozial- und Lebensräumen der Menschen präsent. Hier treffen viele Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen aufeinander.

Das Projekt „Kita – Lebensort des Glaubens“ zielt unter anderem darauf ab pädagogische Mitarbeiter/-innen kompetent zu begleiten. Am 14.02.2018 fand in diesem Sinne eine Infoveranstaltung statt.

Thema:  „Kindheit und Armut“

Unsere Kindertageseinrichtungen haben eine besondere Fürsorgepflicht für Kinder und müssen die materiellen und sozialen Lebenslagen von Kindern reflektieren, um sinnvolle Konsequenzen zu ziehen. Beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Bildung, Hobbies oder Urlaub – für rund drei Millionen Kinder und ihre Familien in Deutschland ist das die Realität.

Was ist Armut und wie wirkt sie sich aus?

Arme Menschen hierzulande können in der Regel noch ihre Grundbedürfnisse befriedigen, aber sie leiden an einer chronischen Mittellosigkeit. Dieses ermöglicht Kindern nicht die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Kinder in relativer Armut nehmen seltener an Klassenfahrten und Ausflügen teil, zeigen häufig Anzeichen von Fehlernährung und verfügen vereinzelt über kein eigenes Kinderzimmer als Rückzugsort. Aufgrund von räumlicher Enge und Schamgefühl laden sie zudem seltener andere Kinder nach Hause ein. Kinderarmut beeinträchtigt ihre Chancen für das ganze Leben.

Hier ein paar Zahlen und Fakten:

  • Die Bundesregierung gibt eine Armutsrisikoquote bei Kindern von 12% an.
  • 50% aller Alleinerziehenden sind von Armut bedroht
  • 35.000 Jugendliche in Deutschland sind schätzungsweise obdachlos
  • Im Vergleich von 29 Staaten (EU Länder und Norwegen und Island) liegt Deutschland nur auf Platz 15. Maßstab war hier eine Liste mit 14 Faktoren, die entbehrt werden können – darunter eine warme Mahlzeit am Tag, einen ruhiger Platz für Hausaufgaben, altersgerechtes Spielzeug oder die Möglichkeit zu regelmäßigen Freizeitaktivitäten. Als arm gelten Kinder, die mindestens zwei dieser Faktoren entbehren; in Deutschland war davon jedes 11. Kind betroffen.
  • Kindergeld wird zu 100% auf Hartz IV Leistungen angerechnet
  • 70% der zur Verfügung gestellten Gelder für das Bildungs- und Teilhabepacket kommen nicht bei den Kindern an, sondern werden für Verwaltung benötigt.

Wie wichtig wäre ein Prinzip der Solidarität, in dem deutlich gemacht wird, dass die Erziehungsleistung von Eltern davor geschützt wird in Armut zu geraten. Wir benötigen einen Anspruch, der deutlich macht, dass jedes Kind das Recht auf gleichberechtigte Startbedingungen hat. Was wir nicht brauchen sind soziale Polarisierungen, Verurteilung und Verallgemeinerungen.

Jutta Tennhoff

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